Schwarz wie Kaffee

Ein rabenschwarzer Samstag vorletzte Woche: Unser geliebter Kaffeeautomat blinkte nur kurz traurig und hauchte sein Leben aus. Noch vor dem ersten Morgenkaffee! Immerhin: unter Koffeinentzug konnte keine große Panik ausbrechen. Nach einer schnellen Dusche und ohne Frühstück räumten wir unseren Liebling ins Auto und brachten ihn zusammen mit der weitblickend erworbenen Garantieverlängerung zum Elektromarkt.
Dort wurde er fachmännisch beäugt, die Schubladen geöffnet, der Einschub entfernt und auch den Deckel für den Bohnenbehälter durften wir behalten. „Kein Problem, den schicken wir ein“, sagte der Fachmann gut gelaunt. „In etwa 10 bis 15 Tagen sollte er fertig sein. … Ihre Frau sieht irgendwie sehr unglücklich aus.“
Während ich mit Tränen und Koffeinentzug kämpfte, unterschrieb der Schatz den Reparaturauftrag und brachte mich erstmal zum goldenen M, um endlich etwas heißes schwarzes zu trinken. Auf dem Parkplatz schmiedeten wir, langsam die ganze Tragödie begreifend, wilde Pläne von täglichen To-Go-Kaffees über Espressokocher leihen (unserer hat das letzte Festival nicht überlebt) bis zu günstigen Kapselautomaten erwerben. Glücklicherweise fiel uns dann die Bodum in der Schublade wieder ein, bevor wir etwas Dummes tun konnten.
Und siehe da! Heute kam die SMS, wir dürfen den Liebling schon morgen wieder abholen. Eine harte, lange Woche ist endlich vorüber.

http://www.sinfest.net/view.php?date=2016-03-07
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4 Antworten auf „Schwarz wie Kaffee“

  1. Wenn er sich denn wenigstens schweigend eine Auszeit nimmt, ist es ja noch erträglich. Nach meiner Überzeugung stehen Kaffeevollautomaten nämlich mit dem Teufel im Bunde und lassen nichts unversucht, uns tagtäglich unsere Abhängigkeit auf’s Übelste spüren zu lassen. Erst eben verlangte meine Maschine vor dem Kaffeebezug wieder zuerst „Filter wechseln“, dann „Gerät reinigen“ und dann „Trester leeren“. Und dann wollte sie noch ihre Rückfront gekrault und die Capuccino-Düse manikürt haben, aber womöglich hat mein kaffeesüchtiges Mangelhirn das auch dazuhalluziniert.

    1. Jepp, diese Terrorherrschaft kenne ich nur zu gut. Trotzdem lieben wir unseren kleinen Diktator. Und haben etwas Mitleid mit ihm: Er merkt nämlich nicht, ob die Bohnen alle sind, was doch eigentlich der tiefste Grundsatz des Kaffeekochens sein sollte. Die Abhängigkeit ist also vielleicht doch eine gegenseitige Symbiose.

    2. Ganz zu Anfang unserer Beziehung hat die JURA sogar den Brühvorgang unterbrochen, wenn nicht genug Bohnen im Schacht waren. Irgendwann hat sie dann gelernt, dass sie uns damit ärgern kann, wenn sie anstatt einer Warnmeldung eine Tasse heißes Wasser herausgibt. Aber ich sagte ja schon, sie ist das personifizierte Böse.

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